{"id":1272,"date":"2019-04-02T07:49:16","date_gmt":"2019-04-02T05:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/?p=1272"},"modified":"2019-04-02T07:53:02","modified_gmt":"2019-04-02T05:53:02","slug":"interview-mit-konrad-brockmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/?p=1272","title":{"rendered":"Interview mit Konrad Brockmann"},"content":{"rendered":"<p>[vc_row row_height_percent=&#8220;0&#8243; override_padding=&#8220;yes&#8220; h_padding=&#8220;2&#8243; top_padding=&#8220;2&#8243; bottom_padding=&#8220;0&#8243; overlay_alpha=&#8220;50&#8243; gutter_size=&#8220;3&#8243; shift_y=&#8220;0&#8243;][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]In unserem Artikel \u00fcber die Insektenhotels und Nistk\u00e4sten haben wir Ihnen berichtet, dass wir auch Rat bei Konrad Brockmann, Land- und Forstwirt und seit vielen Jahren J\u00e4ger im Ortsteil Osnabr\u00fcck Voxtrup gesucht haben. Herrn Brockmann haben wir vor vielen Jahren kennengelernt, als wir uns entschlossen, Wespennester nicht mit der Chemiekeule, sondern umweltgerecht entfernen zu lassen. Voraussetzung f\u00fcr das Entfernen war, dass sie eine Gefahr f\u00fcr das Mieterwohl darstellten. So kamen wir \u00fcber den damaligen\u00a0 Fledermausbeauftragten der Stadt Osnabr\u00fcck zu Konrad Brockmann, der auch staatlich gepr\u00fcfter Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfer ist und viele Jahre der einzige \u201eSiebenschl\u00e4ferumsiedler\u201c Deutschlands war. Er verf\u00fcgt \u00fcber\u00a0ein umfassendes Wissen \u00fcber Mensch, Tier und Natur.<br \/>\nDarum haben wir Herrn Brockmann gefragt, ob er wisse, warum so viele Insektenarten verschwinden.<\/p>\n<p><img class=\"wp-image-1274 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hvo-eg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KonradBrockmann.png\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"392\" \/><\/p>\n<p><strong>Frage<\/strong>: Herr Brockmann, k\u00f6nnen Sie best\u00e4tigen, dass ein erheblicher Schwund an Insekten zu verzeichnen ist?<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Ja. Der Schwund ist ganz massiv und wird inzwischen von Jedermann beobachtet. Wir haben eine Verringerung der Insekten von \u00fcber zwei Drittel und ein Ende ist nicht abzusehen.<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Liegt das an der Monokultur in der Landwirtschaft oder dem Fehlen von Ackergr\u00fcnstreifen oder auch an dem Einsatz von Pestiziden?<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Monokultur und fehlende Ackergr\u00fcnstreifen sind nur am Rande relevant. Anders sieht das bei den Pflanzenschutzmitteln aus. Chemische Pflanzenschutzmittel wurden so lange ich mich erinnern kann in der Landwirtschaft und auch bei dem Kleing\u00e4rtner und Gartenbesitzer eingesetzt. Unkrautmittel, also Herbizide wie das alte U46 oder sp\u00e4ter das M52 kennen die \u00c4lteren unter uns noch aus der Praxis nach dem Krieg. Weizen und Gerste mussten gegen Mehltau behandelt werden. \u201eSonst wird daraus nichts\u201c, pflegte mein Vater zu sagen. Aber wenn wir uns erinnern, gab es trotzdem \u00fcberall Insekten. Autos mussten mit Insektenspray behandelt werden, bevor sie gewaschen wurden. Jeder Autobesitzer verf\u00fcgte \u00fcber einen Insektenschwamm.<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Also sind diese chemischen Pflanzenschutzmittel vielleicht Ausl\u00f6ser des Insektensterbens?<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Normal eingesetzte zugelassene chemische Pflanzenschutzmittel waren damals und sind auch heute nicht das Problem. Allerdings gelang es der Industrie Anfang der 70er Jahre ein Mittel herzustellen, das systemisch wirkte. Es hie\u00df \u201eRound up\u201c und war als Mittel gegen Unkr\u00e4uter gedacht, die sich nicht nur \u00fcber den Samen, sondern auch \u00fcber die Wurzeln vermehren.<br \/>\nDer Wirkstoff dieses Mittels hei\u00dft Glyphosat und ist mittlerweile jedem bekannt.<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Worin besteht der Unterschied zu anderen Pflanzenschutzmitteln?<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Dieser liegt in seiner systemischen Wirkungsweise. Und zwar t\u00e4uscht das Mittel, wenn es ausgebracht wird, der Pflanze vor, ein N\u00e4hrstoff zu sein. Die Pflanze nimmt dieses Mittel in seinen Saftstrom auf und bef\u00f6rdert es bis in die gesamten Wurzeln. Dann erst beginnt das t\u00f6dliche Werk, so wie es bisher kein anderes Mittel geschafft hat: Pflanze und Wurzeln sterben ab.<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Glyphosat wurde bereits im menschlichen K\u00f6rper nachgewiesen. Wie der Mensch es aufnimmt, ist ein anderes, sehr interessantes Thema, das in diesem Zusammenhang aber leider zu weit f\u00fchrt. Daher m\u00f6chten wir heute gerne wissen, ob und wenn ja, Insekten unter der Verwendung systemischer Mittel leiden und durch sie auch m\u00f6glicherweise sterben.<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Wir wissen nicht, wie und ob Glyphosat auf Insekten wirkt oder auf die V\u00f6gel, die das Getreide fressen. Denn schlie\u00dflich ist es ein Herbizid, das auf Pflanzen wirkt und kein Insektizid (Insektengift). Die Industrie hat allerdings lange an einem systemischen Mittel auch gegen Insekten herumget\u00fcftelt. Teilsystemische Mittel wie E 605 gab es immer schon. Diese neuen Mittel, sog. Neonikotinoide, enthalten einen Wirkstoff, der sogar nat\u00fcrlichen Ursprungs ist, n\u00e4mlich das Nikotin. Nikotin ist f\u00fcr Insekten t\u00f6dlich. Das Mittel wird von der Pflanze in den Saftstrom aufgenommen und hat so eine entsprechende l\u00e4ngere Wirkung. Au\u00dferdem wirkt es sowohl gegen saugende als auch gegen bei\u00dfende Insekten, also auch gegen die, die sich gerne ein St\u00fcck von einem Blatt schmecken lassen. Au\u00dferdem bereichert dieser Wirkstoff auch den Honigtau, den sich besonders in den Morgenstunden auch Bienen schmecken lassen.<br \/>\nNun gibt es in der Landwirtschaft Ackerfr\u00fcchte, die jede Saison eine Behandlung mit Insektiziden ben\u00f6tigen. Die Zuckerr\u00fcbe geh\u00f6rt zum Beispiel dazu. Hier wurde gegen die R\u00fcbenfliege schon immer gespr\u00fcht, aber zum Insektensterben hatte diese Behandlung bisher nicht gef\u00fchrt. \u00dcberaus problematisch wird es, wenn dieses Insektizid prophylaktisch auf alles gespr\u00fcht wird, was auf dem Acker steht.<br \/>\nFr\u00fcher wurde ein Insektizid erst dann gespr\u00fcht, wenn L\u00e4use auf dem Getreidefeld festgestellt wurden. Heute ist es billiger, mit einer anderen Spritzung ein Insektenmittel prophylaktisch beizumischen, als bei wirklichem Befall nochmal zu spritzen.<br \/>\nUnd wenn dann bei dieser prophylaktischen Mischung das hoch wirksame systemische Mittel mit dem Wirkstoff Nikotin eingesetzt wird, kann kein Insekt \u00fcberleben.<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Sollten alle Insekten aussterben, was passiert dann mit uns Menschen und mit der Welt, in der wir leben?<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Die Frage kann Ihnen niemand beantworten. Wir haben alle ein Leben ohne Insekten noch nicht erlebt. Daher k\u00f6nnen wir nur ahnen, was passieren wird. Die Insekten sind die \u00dcbertr\u00e4ger der Bl\u00fctenpollen, wobei die Bienen die Haupt\u00fcbertr\u00e4ger sind. Die \u00dcbertragung der Best\u00e4ubung fiele dann bei vielen Pflanzenarten aus. Obst- und Gem\u00fcsesorten, die wir gerne essen und auch Dinge wie Schokolade, h\u00e4tten wir nicht ohne Insekten. Sie helfen au\u00dferdem dabei, Bl\u00e4tter, tote B\u00e4ume und die K\u00f6rper toter Tiere zu zersetzen. Sie recyclen N\u00e4hrstoffe und<br \/>\nstellen sie wieder zur Verf\u00fcgung. Ohne Insekten w\u00fcrden Kuh-Haufen und tote Tiere \u00fcberall herumliegen.<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Herr Brockmann, eine letzte Frage: Sind damit die in der Landwirtschaft eingesetzten Insektizide die ausschlie\u00dfliche Ursache f\u00fcr das enorme Insektensterben, so dass wir als Verbraucher machtlos sind oder k\u00f6nnen wir als einzelne B\u00fcrger auch zum \u00dcberleben der Insekten beitragen?<br \/>\n<strong>Antwort<\/strong>: Hauptursache f\u00fcr das Sterben der Insekten ist das prophylaktische Ausbringen von Insektiziden in der Landwirtschaft, im Gartenbau, in den Kleingartenanlagen bis zum Hobbyg\u00e4rtner. W\u00fcrde hierauf verzichtet werden, w\u00e4re den Insekten sehr geholfen, sich wieder zu erholen.<br \/>\nDurch den Aufbau der Insektenhotels und dem Anlegen einer kleinen Wildblumenwiese f\u00fcr jedes Hotel tragen Sie auf jeden Fall zu einer erh\u00f6hten Bestandsdichte der Insekten bei. Diese innovative Idee sollte ein Ansporn f\u00fcr uns alle sein, unserer Natur wieder auf die Spr\u00fcnge zu helfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herr Brockmann, wir bedanken uns ganz herzlich f\u00fcr dieses offene, interessante und informative Gespr\u00e4ch. Wir m\u00fcssen verstehen, dass wir nicht auf der einen Seite stehen und Tier und Natur auf der anderen Seite. Vielmehr sind wir untrennbar miteinander verbunden, eine Symbiose. Helfen wir unseren Insekten, helfen wir uns selber! Also legen wir los!<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row row_height_percent=&#8220;0&#8243; override_padding=&#8220;yes&#8220; h_padding=&#8220;2&#8243; top_padding=&#8220;2&#8243; bottom_padding=&#8220;0&#8243; overlay_alpha=&#8220;50&#8243; gutter_size=&#8220;3&#8243; shift_y=&#8220;0&#8243;][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]In unserem Artikel \u00fcber die Insektenhotels und Nistk\u00e4sten haben wir Ihnen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1280,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1272"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1272"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1279,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1272\/revisions\/1279"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1272"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1272"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hvo-eg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}